Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges

1931
Foto: RRO-FAR-0-02-185 RE
Zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurde unterhalb von Schloss Reichenberg ein Denkmal errichtet. Bereits zu den vorausgegangenen Kriegen entstanden Monumente und so sollte auch in Reichelsheim der Toten der Jahre 1914 bis 1918 gedacht werden. Im Januar 1921 wurde auf Anregung des Militär- und Veteranenvereins erstmals öffentlich über die Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gesprochen. In der Folgezeit konnte man sich zunächst nicht über den Ort, an dem dieses zu errichten sei, einigen. Die einen hätten das Denkmal lieber im Ort, etwa am Bahnhof gesehen (die Bahnhofstraße erinnert an dieses Gebäude), andere an der Mergbachbrücke in der Bismarckstraße, wieder andere am Marktplatz, dem heutigen Rathausplatz, und sehr viele auf dem Friedhof. Auch für den Platz vor der Michaelskirche fanden sich vereinzelte Stimmen und manche wiederum favorisierten das Kastanienwäldchen neben dem Turn- und Sportplatz am Fuße des Reichenbergs, also in der Nähe der heutigen Reichenberg-Schule bzw. des Festgeländes, dort wo der steile Pfad zum Schloss hinaufführt. Das Inflationsjahr 1923 entwertete das zuvor mühsam gesammelte Geld für den Bau vollständig. Am 27. Juli 1923 wurde dann im Beisein von Baurat Diefenbach der endgültige Platz oberhalb des alten Wingertsweges in der früheren Obstanlage unter dem Schloss Reichenberg festgelegt. Diefenbach fertigte auch die Baupläne an. Nach zähen Verhandlungen stellte Graf Konrad von Erbach das Gelände, in dessen Besitz sich die Obstanlage befand, unentgeltlich zur Verfügung.

zum Denkmal, 2002
Foto: Wolfgang A. W. Kalberlah
Die Gemeinde beschloss, nachdem die Bürger vom Steinbickel nicht mehr länger warten wollten, Anfang des Jahres 1925, die Kosten für das Vorhaben zu übernehmen und die Bauarbeiten konnten beginnen. 1926 wurde der Platz um das Denkmal vorn mit Platanen und hinten mit Fichten eingepflanzt. Aus Spendengeldern konnten zusätzlich die kleinen Säulen mit Kugeln, die viereckigen Steinblöcke mit Lorbeerkränzen und Stahlhelmen zu beiden Seiten der drei Meter breiten, zehnstufigen Freitreppe angeschafft werden. So erfüllte sich nach über fünf Jahren ein Wunsch der Bevölkerung. Am Totensonntag, dem 21. November 1926, fand die Enthüllungsfeier des sieben Meter hohen Denkmals statt. Vom alten Kriegerdenkmal am Marktplatz, wo der Heimatdichter, Rechtsanwalt Fischer, die Ansprache hielt, bewegte sich ein Trauerzug durch die Beerfurther Straße und über den „langen Berg“ auf den Reichenberg zum Denkmalsplatz. Anna Röder sprach den Prolog, der Kirchenchor sang und Georg Bauer sagte ein Gedicht auf. Die Weihrede hielt Pfarrer Klingelhöffer und Bürgermeister Heist übernahm das Denkmal. Er hielt ebenfalls eine Rede, gefolgt von Graf Konrad. Nach den Kranzniederlegungen hielt Lehrer Goldstein für die israelitische Religionsgemeinde eine Abschlussansprache.
Literatur:
Gemeindevorstand der Gemeinde Reichelsheim (Odenwald), 700 Jahre Reichelsheim im Odenwald - Vom Marktflecken zur Großgemeinde, ISBN 3-00-010145-4, 2002, S. 169, GAR, RRO
Der Heimat-Bote, Gemeindeblatt des evangelischen Kirchspiels Reichelsheim im Odenwald, 8. Jahrgang, Nr. 12, Dez. 1926, S. 51 ff.
Verantwortlicher Autor:
[Kalberlah, Wolfgang A. W.]
