Lexikon Reichelsheim (Odenwald)

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  Gersprenz und Mergbach

Auf der Neunkircher Höhe unweit ihrer höchsten Erhebung mit dem Kaiserturm findet sich eine Quelle, in dessen Nähe eine Tafel mit dem Hinweis angebracht ist, dass hier die Gersprenz entspringt. Wenngleich es im Jahr 2013 intensive Überlegungen gab, ob denn an dieser Stelle nicht der Mergbach seinen Ursprung hat, denn dort, wo der kleine Bach von der Höhe herunter kommt und in das Gumpener Tal eintritt, heißt er Mergbach. Sein Name leitet sich von Mariabach ab und weist auf die Kelten hin, in deren Sprache das Wort „Merg“ als Maria vorkommt. Vieles spricht dafür, denn die Kelten waren nicht nur irsch-schottische Mönche, die den Odenwald durchstreiften, sondern sie lassen sich als Bevölkerungsschichten Mitteleuropas, Südwestdeutschlands nachweisen.

Gersprenz 1 k
Gersprenzquelle
auf der Neunkircher Höhe
Foto: Wolfgang A. W. Kalberlah

Der Mergbach durchströmt schließlich Reichelsheim und Frohnhofen. Dort, wo er die Grenze zu Bockenrod erreicht und der Osterbach hinzu tritt, verlieren beide ihren Namen und werden zur Gersprenz, was auch gesetzlich in Anlage 2 zu § 2 Nr. 2 des Hessischen Wassergesetzes festgehalten ist. Somit ist der 10,9 Kilometer lange Mergbach einer der Quellbäche der Gersprenz, die nun ungefähr 62 Kilometer benötigt, bis sie bei Stockstadt in den Main mündet. Das Hessische Wassergesetz legt auch fest, dass sich das Land Hessen ab Groß-Bieberau um die Unterhaltung des Flusses kümmert, weiter flussaufwärts bis zum Zusammenfluss von Merg- und Osterbach ist der Wasserverband Gersprenzgebiet zuständig.

Bereits 828 n. Chr. wird die Gersprenz an ihrer Mündung als „Gaspentia“ im Rahmen einer Reise Einhards, des Schreibers Karls des Großen, entlang des Mains erwähnt. Die erste Erwähnung im Oberlauf findet sich im Lorscher Codex in der Urkunde Nr. 92 vom 12. Mai 1012 bzw. in der ergänzenden Urkunde Nr. 93. Dort wird dem Kloster Lorsch durch Kaiser Heinrich II. der Forst- und Waldbann im Odenwald verliehen, also der Bereich, in dem nur der damalige Abt Bobbo und dessen Nachfolger jagen durften und wer es ihnen gleichtat oder eigenmächtige Handlungen darin vornahm, wurde bestraft. Und in der Grenzbeschreibung dieses Bereichs wird „Gaspenza“ erwähnt, wobei nicht klar ist, ob hier die Gersprenz oder die Ortschaften Ober-, Nieder- und Unter-Gersprenz gemeint sind. Zuweilen findet man auch die Schreibung mit „C“ am Anfang.

Gersprenz 2 k
Vereinigung von Mergbach (rechts) und
Osterbach (links) zur Gersprenz (vorn)
Foto: Wolfgang A. W. Kalberlah, 2026

Und hier kommen die Kelten erneut ins Spiel. Das altirische Wort „car“ oder auch „cas“ geschrieben bedeutet Bach. Berücksichtigt man die sprachliche jahrhundertelange Umwandlung zu „ger“, so liegt die erste Silbe der Gersprenz bzw. der Ortschaften vor. Daher kann die Namensgebung auf keltischen Ursprung zurückgeführt werden. Bezüglich des Wasserlaufs muss es sich damals um einen wasserreichen, schnell fließenden Bach gehandelt haben, denn die zweite Silbe des Namens Gersprenz entstammt dem althochdeutschen bzw. frühmittelhochdeutschen „enze“. Das hatte die Bedeutung von „fließendem Wasser“. Daraus hat sich auch das Wort „sprenzen“ entwickelt, das in manchen Gegenden im Sinne von begießen, bespritzen oder Wasser lassen gebraucht wird.

 

 

 

Verantwortlicher Autor:
[Kalberlah, Wolfgang A. W.]