Trompetersweg
Der Weg zwischen dem verlängerten Hofweg zum Fronhof hin und der verlängerten Beerfurther Straße wird der Trompetersweg, manchmal auch Trompetershohl oder Trompeterswäldchen genannt. An diesem Weg stand früher ein Wald. Es sind wohl Bäume eines im 17. Jahrhundert sehr viel größeren Waldes, durch den niemand zu später Stunde gerne gehen mochte. Der Grund waren zwei Soldaten, zwei Trompeter aus dem Dreißigjährigen Krieg, und man hörte zugleich zwei kleine Kinder jammern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll es noch Leute gegeben haben, welche die nächtliche Erscheinung wahrgenommen haben. So will es die Sage und so berichtet es Moritz Repp in „Der Heimat-Bote“ (Nr. 4, April 1927, S. 19).
Woher kommt aber nun der Name Trompetersweg oder Trompeterswädchen wirklich?
Auskunft über die Namensherkunft gibt das Sal- und Lagerbuch von Johann Georg Heyl von 1750:

Foto: Wolfgang A. W. Kalberlah
Auf dem Fronhof saß Valentin Blumenschein bis zum Dreißigjährigen Krieg als Pächter. Er hatte das herrschaftliche Hofgut in Erbbestand und ist an der damals grassierenden Pest gestorben. Seinem Sohn, Peter Blumenschein, traute die Erbacher Herrschaft die Bewirtschaftung des Hofs nicht zu, um die jährlichen Abgaben und Pflichten entrichten zu können. Daher wurde der Fronhof 1642 von der Herrschaft dem Trompeter August Koch aus Erbach zum Mannlehen übertragen. Wahrscheinlich hatte dieser Trompeter Koch sich als Soldat ausgezeichnet und deshalb von der Herrschaft den Vorzug vor Blumenschein erhalten. Damit aber vorgenannter Peter Blumenschein nicht leer ausging, für sich und die Seinigen eine Bleibe und Unterschlupf hatte, bekam er die Spanweyt (Spoawaad) und den verwaisten Hof von Peter Weimar, die beide durch Aussterben des Besitzers an die Herrschaft zurückgefallen waren und noch heute nahe Frohnhofen oberhalb des Abzweigs von der heutigen Bundesstraße 38/47 Richtung Unter-Ostern liegt. Der Trompeter August Koch aber gab mit seiner Berufsbezeichnung dem Weg und dem Wäldchen den Namen.
Die Altenerzählung berichtet aber auch, dass an diesem Orte einmal „etwas Böses" geschehen sein soll - ohne aber nähere Angaben darüber zu machen Vielleicht wollte oder durfte man auch darüber nicht sprechen und berichten. Auch hier gibt Heyl wieder die Erklärung für dieses Verhalten. Bei der Aufzahlung der Keller und Amtmänner auf Schloss Reichenberg findet sich ein Hermann Ludwig Halbgewien, der von 1641 bis 1645 auf Schloss Reichenberg wohnte und in einer Notiz ist zu lesen, dass er von dem Trompeter Augsut Koch vom Fronhof - anno 1645 - erstochen wurde. Über die Motive gibt es keine Hinweise. Es herrschten damals raue Sitten.
Verantwortlicher Autor:
[Kalberlah, Wolfgang A. W.]
